Ser's Sportsfreund,
hier ist er nun also wieder, dieser lang- ersehnte Meilenstein der Popgeschichte - endlich neu aufgelegt auf unserem eigenen Label PANATOMIC (enttäuscht von kleinen Hippie-Plattenfirmen, hat S.P.E.C.T.R.E. beschlossen, ihr eigenes Label zu gründen und ein vergnügter und wichtiger Teil der weltumspannenden Plattenindustrie zu werden, der fähig ist, die Werke seiner Künstler auch korrekt zu bezahlen).
Aber nun zu etwas völlig Anderem...
Wie der weise Thomas Bohnet einst schrieb: »Das Interesse an französischem Pop der Sixties ist nicht nur in Frankreich so stark wie nie zuvor. Auch hierzulande entdecken frankophile Musikfreunde und Hipster die Klasse französischer Stars der Sixties wie Jacques Dutronc und Serge Gainsbourg, Françoise Hardy und France Gall, Nino Ferrer und Antoine. Als Fan französischer Popmusik befindet man sich übrigens in bester Gesellschaft und teilt seine Vorlieben mit etlichen berühmten Musikern aus Europa - mit Stereolab und St. Etienne zum Beispiel oder mit den britischen Blur. Damon Albarn & Co. haben sogar mit Françoise Hardy zusammen einen Song eingespielt, genauso wie die französischen Air, die auf die Rückseite ihrer Hit-Maxi 'Sexy Boy' das mit Hardy gemeinsam eingespielte Stück 'Jeanne' gepackt haben. In Deutschland ist Ted Gaier von den Goldenen Zitronen als frankophil bekannt, genauso wie die Berliner Stereo Total, die Band der Exil-Französin Françoise Cactus, die inzwischen mehrere französische Popsongs gecovert haben. Heutzutage kann man solche Klassiker wie 'Comment Te Dire Adieu' der Hardy (das findet ihr übrigens auf FRENCH CUTS 2, den es ab sofort ebenfalls zu holen gilt), 'Le Responsable' ihres Ehemannes, der Sixties-Pop-Ikone Jacques Dutronc, oder das abgedrehte Orgelstück 'Mirza' von Nino Ferrer in vielen guten europäischen Clubs wieder hören (und nicht nur dort!).
Die Gralshüter des klassischen französischen Chansons hatten Vorurteile gegen viele der neuen Künstler wie Françoise Hardy oder France Gall. "Unsere Musik war sehr einfach; simple, von englischer und amerikanischer Popmusik inspirierte Lieder. Man nannte uns deshalb auch damals in Frankreich die 'Yeh-Yeh-Sänger', weil wir anscheinend die Engländer kopierten und angeblich so oft 'Yeah' sangen." (Françoise Hardy). Kultfiguren wie der grosse Serge Gainsbourg oder Jacques Dutronc hatten es da etwas leichter. Seit Mitte der achtziger Jahre entdecken aber auch viele junge französische Musiker ihre Wurzeln wieder.
Françoise Hardy, die sich jahrelang ganz aus dem Popgeschäft zurückgezogen hatte, wurde plötzlich wieder hip. Etienne Daho, einer der beliebtesten Popstars Frankreichs, hat 1986 unter dem Titel 'Françoise Hardy - Superstar Et Ermite' ('Superstar und Einsiedlerin') eine schöne Biografie der Sängerin veröffentlicht. Umgekehrt schrieb die Hardy für Daho einige Songs. Heute gilt es in Frankreich jedenfalls als absolut 'branché', also hip, Françoise Hardy-Fan zu sein. Sei auch Du dabei!
Nach wie vor ist es jedoch für den frankophilen Musikliebhaber mitunter recht schwierig, an einige der Stücke heranzukommen. Ein vielgesuchter Titel ist zum Beispiel das oben erwähnte, legendäre 'Mirza' von Nino Ferrer, das nur selten auf Ferrer-Samplern zu finden ist. Auch Dutroncs 'J'Ai Tout Lu, Tout Vu, Tout Bu' findet sich nicht auf allen 'Best Of Dutroncs' und Kuriositäten wie das 'Anti'-Drogen-Lied 'Hashish Faction' von Sullivan oder Ritas mit der Orgel um die Wette gestöhntes 'Erotica' tauchen nur äußerst selten in Second-Hand- Plattenläden oder bei eBay auf. Unsere Platte soll hier Abhilfe schaffen und zerrt neben einigen Hits von Jacques Dutronc oder Brigitte Bardot auch etliche unbekannte Perlen aus den französischen Sechzigern ans Tageslicht.
Die junge Sängerin Stella macht sich mit 'Beatnicks D’Occasion' über die Pseudo-Beatniks ihrer Zeit lustig ("Wenn sich die Bohème in ihren Blue Jeans langweilt, fragen sie Papi nach 'nem Job in seiner Fabrik") und Jacqueline Taieb wünscht sich in '7 Heures Du Matin', Paul McCartney würde ihr bei ihren Englisch-Hausaufgaben helfen. Eher züchtige Liebessongs wie 'La Fermeture Éclaire' ('Der Reissverschluss') stehen neben einem Macho-Stück wie Jo Alans 'Les Bons Conseils' oder De Giafferis 'Sado Maso', in dem es nach brennenden Brustwarzen riecht. Während France Gall von blauen Augen ('Les Yeux Bleus') schwärmt, fordert Antoine: 'Hören Sie auf, mir von Liebe machen zu erzählen' ('Arretez De Me Parler De Faire L’Amour') und Pierre Barouh huldigt dem brasilianischen Samba mit einem Bossa Nova.
Junge, Junge - die hatten damals echt keine Ahnung von gar nichts, aber so war das halt in den Sechzigern.
Obwohl all diese Songs bereits einige Jährchen auf dem Buckel haben, funktionieren sie auch heute noch - ob im Club, auf Deiner nächsten Beatparty mit Freunden oder einfach nur als Soundtrack zu einem Leben voller Ausschweifungen, gepflegter Garderobe und häufig wechselnder Geschlechtspartner.«
Viel Spass mit den French Cuts!
Zusammenstellung: Martin Hemmel - Andreas Freiberger - Markus Weissenhorn
Mastering: Telstar Studio
Artwork: S.P.E.C.T.R.E.
Photos: Christian Heine
Lizensierungen: Natascha Augustin - Esther Correll
Vertrieb: Groove Attack